Reiseberichte Ostafrika

Meine Reise nach Voo, November 2004

Meine Reise nach Voo, November 2004  - (c) Blanca Imboden - www.keniaberichte.de
Bei meinem fünften Besuch in Kenia, will ich unbedingt einmal irgendwo hin reisen, wo es keine Touristen gibt. Ich möchte möglichst viele Kenianer kennen lernen, die nichts mit dem Tourismus zu tun haben. Ich habe Glück: Ein Hotelangestellter ist bereit, mir sein Homeland zu zeigen. Wir mieten Fahrer und Wagen und fahren nach Voo.

Die Reise geht über den Mombasa-Nairobi-Highway, später über Naturstrassen nach Mutomo und Kinakoni.
Nach acht Stunden hält unser Fahrer am Wegrand.
Kein Dorf in Sicht. Was nun?

Nach 40 Minuten Fussmarsch erreichen wir Philips Dorf. Ich bin begeistert: Sieben Rundhütten mit Strohdächern stehen auf einer Anhöhe. Ein Dorf in meinem Sinne ist das nicht. Seine Familie wohnt hier zusammen. Es gibt weder Strom noch Wasser, nicht einmal irgend ein batteriebetriebenes Gerät. Die Geräuschkulisse ist Natur pur. Sie ist geprägt von Vögeln, Wind und vom Meckern der Ziegen, die frei herumgrasen und gegen Abend selber auf den Hof zurück kommen.

Sind die Menschen dort arm?
Ich glaube, sie spüren ihre Armut nur, wenn sie in der Schule den Vergleich zu anderen bekommen, oder das Geld einmal für das Schulgeld gar nicht ausreicht.
Sonst erlebe ich bei dieser Sippe so viel Frieden und eine Gemeinschaft, die zusammen sitzt und redet, lacht und singt. Das haben wir doch längst verlernt. Uns würde doch nach zwei Stunden schon der Gesprächsstoff ausgehen.
Keiner scheint hier irgend etwas zu vermissen. Die Kinder haben nur ein einziges Spielzeug: Einen Reif aus einem biegsamen Zweig, den sie an einem Stecken durch die Gegend rollen. Aber sie sind nicht quengelig und unzufrieden. Sie lachen und kichern und können gemeinsam auf einer Matte sitzen, ohne zu streiten.


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